Gemeinsame Petition an den Deutschen Bundestag

Die Stiftung LebensBlicke und die Felix Burda Stiftung, die sich beide seit Jahren engagiert für die Verbesserung der Situation der Darmkrebsvorsorge einsetzen, richten diese Petition gemeinsam an den Deutschen Bundestag: 

"Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass für das Darmkrebs-Screening flächendeckend ein bevölkerungsbezogenes Einladungsverfahren eingeführt wird. Ab dem Alter von 50 Jahren sollten alle Bürger zu einem Beratungsgespräch und einer Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung eingeladen werden. Personen mit familiär erhöhtem Risiko für diese Krebserkrankung sollten über risikoangepasste Maßnahmen beraten werden. Ziel ist es, die Häufigkeit und Sterblichkeit von Darmkrebs deutlich zu senken."

Begründung:
Darmkrebs ist für Männer und Frauen die häufigste und tödlichste Krebserkrankung. Gegenwärtig erkranken jedes Jahr mehr als 70.000 Menschen neu an Darmkrebs und 27.000 sterben daran. Dabei gibt es gerade für diese Krebserkrankung sehr effektive Vorsorgemöglichkeiten, da Darmkrebs gutartige Vorstufen (Polypen) ausbildet, die bei der Untersuchung entfernt werden können.
1971 wurde mit der Einführung des Tests auf verstecktes Blut im Stuhl für Versicherte über 50 Jahre in Deutschland eines der ersten Darmkrebs-Screening Programme eingeführt. Es blieb aber praktisch ohne Wirkung auf die hohe Inzidenz und Sterblichkeit von Darmkrebs, da es von den Versicherten wenig genutzt wurde. 2002 wurde das gesetzliche Screening- Programm um die Vorsorgekoloskopie für Versicherte über 55 Jahre ergänzt.
Das Koloskopieprogramm hat zwar theoretisch das Potenzial, die Häufigkeit und Sterblichkeit von Darmkrebs signifikant zu senken, wird aber praktisch von den Versicherten ebenfalls nur unzureichend genutzt. Dies ist wesentlich dem Umstand geschuldet, dass es sich um ein sog. opportunistisches Screening handelt, das heißt die anspruchsberechtigte Personengruppe nicht individuell angesprochen und zum Screening eingeladen wird, wie das beispielsweise beim Brustkrebs-Screening der Fall ist.
Erfahrungen mit sog. organisierten Screening Verfahren, bei denen alle Bürger in der entsprechenden Altersgruppe auf Basis der Einwohnermeldeamtsdaten schriftlich eingeladen werden, zeigen, dass sich die Teilnahmeraten durch ein solches Vorgehen sehr rasch steigern lassen. Das belegen z.B. die Ergebnisse des deutschen Brustkrebs-Screenings, sowie die Ergebnisse des Ende 2008 im Saarland eingeführten bevölkerungsbezogenen Einladungsverfahrens für das Darmkrebs-Screening. Das sog. organisierte Screening ist darüber hinaus das einzige Verfahren, das sicher stellt, dass die gesamte Zielgruppe erreicht wird.

Im Rahmen des Nationalen Krebsplans ist von Experten ein fachübergreifend konsentiertes Zielepapier für die Verbesserung des Darmkrebs Screenings erarbeitet worden. Als Maßnahmen werden darin u. a. die Einführung eines flächendeckenden organisierten Einladungsverfahrens und die verpflichtende Erhebung und Dokumentation der Familienanamnese empfohlen.
An der Erarbeitung des Zielepapiers waren die beiden o. g. Stiftungen maßgeblich beteiligt. Das Zielepapier wurde am 23. Juni 2009 auf der Nationalen Krebskonferenz vorgestellt und hat dort breite Zustimmung erfahren.

Prof. Dr. J. F. Riemann                         Dr. Christa Maar
Stiftung LebensBlicke                          Felix Burda Stiftung
Vorstand                                              Vorstand