Felix Burda Award 2019 - Die Nominierten

 

Wir bedanken uns bei allen Bewerbern für Ihr Vertrauen und das wunderbare Engagement gegen Darmkrebs und gratulieren den Nominierten des Felix Burda Award 2019.

Die Preisträger wurden am 19. Mai 2019 im Rahmen der Verleihungs-Gala im Hotel Adlon Kempinski, Berlin bekannt gegeben.

Engagement des Jahres 2019

 

Lila Hoffnung ­– CED und Darmkrebshilfe e. V., Peine:
„Verein Lila Hoffnung ­– 700 Kilometer in 7 Tagen – mein Darm ist kein Tabu!“
Holger Busse, Steven Mihelic, Daniel Sowa, Richard Busse,

Holger Busse und seine Mitstreiter haben in sieben Tagen eine Fahrradwanderung von Bremen nach Berlin durchgeführt und dabei 704 Kilometer und 1.705 Höhenmeter zurückgelegt. An den Start- und Endpunkten sowie in Hamburg, Kiel, Lübeck und Schwerin machten sie Halt und informierten an einem Infostand über Darmkrebs und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Schwerpunkte der Aufklärung waren unter anderem Präventionsmaßnahmen, das Darmkrebsrisiko bei jungen Erwachsenen und CED-Patienten, aber auch das Thema Glücklichsein. Dabei ist es gelungen, Mediziner, Politiker sowie regionale Prominenz einzubinden und zu Fürsprechern der Darmkrebsvorsorge zu machen. Die Initiative von Holger Busse und seinen Unterstützern besticht durch ein enormes Engagement, großen Ideenreichtum und Nachhaltigkeit. Sie hat bereits viel für die Verbreitung des Präventionsgedankens erreicht und wird dies auch in Zukunft tun.

 

Wachter & Freunde für die Darmkrebsvorsorge, Köln:
„Cornel Wachter und Timo Belger ­– Nach der Kampagne ist während der Kampagne ist vor der Kampagne“
Cornel Wachter, Timo Belger

Cornel Wachter und Timo Belger sind im Kölner Raum eine feste Größe, was die Aufklärung über die Darmkrebsvorsorge anbelangt. Ihre Kampagne des Jahres 2018 zeichnet sich dadurch aus, dass das Magazin „Die wunderbare Welt des Cornel Wachter“ – das bereits 2017 mit dem Felix Burda Award geehrt wurde - inhaltlich und gestalterisch neu aufgelegt wurde. Zudem haben die Initiatoren erstmals auch Unternehmen angesprochen. Übergeordnetes Ziel ist es, Menschen für die Prävention zu gewinnen. Dem dient auch ein kreatives Gewinnspiel, mit dem Teilnehmer zur Darmspiegelung motiviert werden. Weiter gelang es Cornel Wachter und Timo Belger erneut, prominente Personen für ihre Sache zu gewinnen, und sie nutzten praktisch alle medialen Kanäle, um auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Die Initiative ist damit ein herausragendes Beispiel für persönliches Engagement.

 

Klinikum Dortmund gGmbH:
„#tumortakeover – Klinikum Dortmund bekämpft ersten Social-Media-Tumor des Webs ­– eine Aufklärungsaktion zur Vorsorge von Darmkrebs“
Marc Raschke, Dr. Marcel Sandmann

Das Klinikum Dortmund hat für seine Aufklärungsaktion zur Darmkrebsvorsorge ein sehr originelles Szenario entworfen. Darin hat ein Darmtumor den Facebook-Kanal des Klinikums feindlich übernommen - daher der Hashtag #tumortakeover. Im Verlauf der Kampagne konnten Besucher der Facebook-Seite verfolgen, wie Ärzte den Tumor bekämpfen, und erhielten dabei Informationen über den Darmkrebs, seine Prävention und seine Behandlung. Zu den Höhepunkten zählten Live-Übertragungen, etwa von einem Chat zwischen Arzt und Interviewer auf einer Herren-Toilette, von einer nachgestellten Darmresektion an einem Pizzateig und von einer Polypenabtragung in einem Schweinedarm. Das Klinikum Dortmund hat das Thema Darmkrebsvorsorge damit auf eine sehr ungewöhnliche, unterhaltsame und zugleich lehrreiche Weise aufgegriffen und die Öffentlichkeit über einen bisher eher wenig genutzten Kanal aufgeklärt – eine Kampagne mit Vorbildcharakter.

 

Medizin und Wissenschaft 2019

 

Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, Köln; Institut für Molekulare Medizin, Mainz:
Studie: „Die Fettleibigkeit verschlimmert Darmkrebs durch IL-6-regulierte Makrophagen-Polarisierung und CCL20/CCR6-vermittelte Lymphozyten-Rekrutierung“
Dr. F. Thomas Wunderlich, Dr. Claudia M. Wunderlich, Dr. Nadine Hövelmeyer

Die Arbeitsgruppe untersuchte, wie Fettleibigkeit zur Entstehung von Krebs beitragen kann. Gegenstand ihrer Untersuchungen ist der IL-6-Signalweg, dessen Aktivität im Rahmen einer Adipositas-assoziierten Entzündung hochreguliert wird. Dies führt offenbar dazu, dass Immunzellen umprogrammiert werden und die Tumorentstehung begünstigen. Im Tiermodell führte eine Inaktivierung des IL-6-Signalwegs dazu, dass sich bei übergewichtigen Tieren kein Darmkrebs entwickelte. Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Hinweise auf Mechanismen der Darmkrebsentstehung bei Adipositas, zudem unterstreichen sie den krebspräventiven Stellenwert der Gewichtsreduktion. Und schließlich können die Erkenntnisse der Entwicklung neuer Therapien Vorschub leisten.

 


Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg:
Studie: „How the genetic risk profile may help personalize screening and lifestyle recommendations for colorectal cancer prevention
Dr. Korbinian Weigl, Dr. Prudence Rose Carr, Dr. Michael Hoffmeister, Professor Dr. Hermann Brenner

Die Arbeitsgruppe entwickelte einen Score für das genetisch bedingte Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Es zeigte sich, dass Personen umso früher einen Darmkrebs entwickeln, je höher dieser Score ist. Er bietet damit eine Möglichkeit, die Früherkennung an das persönliche Risiko anzupassen. Anhand eines weiteren neu entwickelten Scores untersuchte die Arbeitsgruppe den protektiven Effekt von einzelnen und kombinierten Lebensstilanpassungen auf das Darmkrebsrisiko. In der Studie sank das Darmkrebsrisiko umso weiter, je mehr sich Personen an einen gesunden Lebensstil hielten, und das unabhängig vom genetischen Risikoprofil. Diese Studie ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Zum einen können die Ergebnisse dazu beitragen, die Darmkrebsvorsorge und das Screening zu verbessern; zum anderen unterstreichen sie den Stellenwert eines gesunden Lebensstils für die Darmkrebsprävention.

 

Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, Frankfurt/M.:
Studie: „Aktivierung des Immunsystems durch Mitophagie und lysosomale Membran-Permeabilisation zur Bekämpfung von Krebszellen“
Professor Dr. Florian Greten, Paul Ziegler

Entstehung und Wachstum eines Tumors hängen maßgeblich davon ab, inwieweit sich die Tumorzellen vor dem körpereigenen Immunsystem verbergen können. So ist die Prognose bei vielen Krebserkrankungen umso schlechter, je weniger zytotoxische T-Zellen in das Tumorgewebe einwandern. Der Arbeitsgruppe ist es nun gelungen, einen Stoffwechselweg zu identifizieren, über den sich die Antigenität von Darmkrebszellen steigern lässt. Dadurch wurden in der Studie zytotoxische T-Zellen verstärkt aktiviert, die die Tumorgenese verzögerten oder verhinderten. Zudem zeigten die Forscher, dass sich der Mechanismus mit Hilfe eines bereits verfügbaren Medikaments (Chloroquin) in Gang setzen lässt. Die Arbeit liefert damit die Grundlage, um neue Konzepte zur Prävention oder Behandlung von Darmkrebs zu entwickeln.

Rückblick - Nominierte 2016 bis 2018